Mit Netz und Öse – Tricks des Immunsystems

Kreuzspinne, Netz im Gegenlicht
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In vorderster Linie der menschlichen Immunabwehr stehen sogenannte antimikrobielle Peptide (AMP). Sie finden sich in besonderem Maße auf allen Oberflächen des Körpers und damit an der Front des Infektionsgeschehens.

Diese Moleküle bekämpfen schädliche Mikroorganismen mit physikalischen Prinzipien. Durch diese besondere Wirkungsweise ist es bisher kaum einem Krankheitserreger gelungen, eine Resistenz zu entwickeln.

Die meisten AMP lagern sich an der Zellwand des Schadorganismus an und bauen dort eine Pore ein, die nicht wieder geschlossen werden kann1. Das Ganze ist dann ähnlich wie ein Knopfloch oder eine Öse. Die Bakterie hat sozusagen offene Wunden und kann ihren normalen Stoffwechsel nicht mehr weiter aufrecht erhalten. Sie geht zugrunde.

 

Ins Netz gegangen

Die Erforschung der AMP steht noch am Anfang und so findet man erstaunliche Variationen. Erst kürzlich wurde im Dünndarm das antimikrobielle Peptid a-Defensin 6 entdeckt. Es wählt einen anderen ebenfalls mechanischen Weg, schädliche Mikroorganismen auszuschalten. Es umhüllt die Eindringlinge mit einem Netz aus Peptidfasern, so daß sie nicht mehr in den Organismus eindringen können2. Ganz ähnlich ist die Wirkungsweise einer griechischen Zistrosen-Varietät. An ihrem Extrakt Cystus052 konnte nachgewiesen werden, dass Grippe- und Erkältungsviren durch eine Ummantelung aus Polyphenolen inaktiviert werden3. Sie kommen einfach gar nicht in die Zelle hinein. Die Infektion wird gestoppt, bevor sie richtig begonnen hat.

 

Es ist bemerkenswert, wie sich bewährte Prinzipien in der Natur wiederholen. Erfreulich ist, dass wir uns diese Tricks für unsere Gesundheit zu Nutze machen können.

 

 

 

Quellen

1) Antimikrobielle Peptide – Thema mit Variation. Naturwissenschaftliche Rundschau 2013; 8, S. 424f

2) Chu G et al: Human α-defensin 6 promotes mucosal innate immunity through self-assembled peptide nanonets. Science 2013; 337, S. 477-481

3) Ludwig S. (2010): Untersuchungen zur Wirkung von Cystus052 Extrakt auf Zellen. Institut für molekulare Virologie Münster. Bericht 12. April 2010.

 

 

Dr. Pandalis Urheimische Medizin GmbH & Co. KG

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